Ich finde heutzutage nicht immer viel Zeit zum Laufen. Mit zwei Kindern im Alter von drei und einem Jahr ist der Morgen einfach zu hektisch, um mehr als das Nötigste zu schaffen, und abends bin ich dann oft so erschöpft, dass ich nicht einmal mehr ans Laufen denken möchte. Aber in letzter Zeit habe ich versucht, mich aus dieser Lethargie zu befreien und mir vorgenommen, laufen zu gehen, sobald meine Töchter im Bett sind. Das Laufen ist für mich ein Ventil, um den Stress des Tages abzuschütteln und erfrischt in den nächsten Tag zu starten.
Erst an der Uni entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Laufen. In der Schule war ich nie begeistert davon gewesen; die obligatorischen Pieptöne und das ewige Herumtrampeln auf derselben Bahn waren nicht gerade motivierend. Da ich aber sportlich war, stellte ich an der Uni fest, dass Joggen eine gute Möglichkeit war, schnell etwas Bewegung in den Unialltag einzubauen. Es war überraschend, wie angenehm Laufen sein konnte, um dem Alltag zu entfliehen, und da ich am Stadtrand wohnte, war ich innerhalb weniger Minuten auf dem Land. Schon eine halbe Stunde reichte, um mir das Gefühl zu geben, eine Pause vom Lernen und der Hektik der nordenglischen Industriestadt eingelegt zu haben. Im Sommer lief ich allein oder mit meinem Partner durch Felder und an Seen entlang, bevor ich im langen, dunklen Winter auf Asphalt wechselte. Ich nahm an Wettkämpfen teil und trainierte diszipliniert, um Bestzeiten zu erreichen. Meine Liebe zum Laufen hielt während des gesamten Studiums an, und ich war süchtig danach, regelmäßig längere Strecken zu laufen.
Nach dem Studium und dem Beginn meiner Vollzeitbeschäftigung wurde meine Laufzeit nach und nach von anderen Aufgaben in Anspruch genommen. Das Laufen geriet in Vergessenheit, und ich sah mich selbst nicht mehr als Läuferin. Erst als meine älteste Tochter zwei Jahre alt wurde, merkte ich, wie sehr mir das Laufen fehlte. Ich erkannte, dass ich völlig von Arbeit, Mutterschaft und den Höhen und Tiefen des Lebens eingenommen war. Ich tat nichts mehr für mich selbst und begann deshalb wieder regelmäßig zu laufen. Mein erster Lauf an einem nieseligen Januarmorgen war alles andere als angenehm. Meine Beine waren schwer, und meine Lunge fühlte sich an, als würde die kalte Luft immer wieder in meine Lungen peitschen. Doch als ich danach unter der Dusche stand, sah ich das heiße Wasser über meine eiskalte Haut rinnen und spürte die Euphorie, meinen ersten Lauf seit Langem geschafft zu haben. Sofort war meine Liebe zum Laufen wieder da.

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Ich merke, dass ich beim Laufen am besten bin, wenn das Leben schwierig ist. Mitten im Alltagstrubel gibt mir ein Lauf die dringend benötigte Zeit, ungestört nachzudenken. Ich laufe mittlerweile nur noch allein und höre dabei kaum Musik oder nutze technische Geräte. Ich genieße es, einfach vor die Tür zu gehen und in eine andere Welt einzutauchen – sowohl körperlich als auch emotional. Die Freiheit im Freien, die sanfte Brise oder der Regen auf der Haut, wirken wie Balsam für die Seele gegen Stress und Müdigkeit. Ich habe gelernt, mich auf die verschiedenen Aspekte des Laufs zu konzentrieren: wie sich mein Körper anfühlt, die Harmonie meiner Schritte und meiner Atmung, die Eindrücke entlang der Strecke. Ich lasse mich von meinen Gedanken mitreißen und verarbeite den Tag oder alles, was mich beschäftigt. Während des Laufens setzt ein Heilungsprozess ein, und wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich gereinigt und bereit für den Alltag. Das Laufen ist für mich ein dringend benötigter Ausgleich, und ich hoffe, dass mir diese Freude am Laufen noch viele Jahre erhalten bleibt.
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Danke an Hannah für ihren Blogbeitrag, ich weiß, dass wir uns alle gut damit identifizieren können. Es ist schwer, Arbeit, Alltag und alles dazwischen unter einen Hut zu bringen, geschweige denn noch Zeit zum Laufen zu finden. Aber Laufen ist wirklich eine tolle Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen.
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